Frau hält ein Taschentuch und muss gleich niesen

Schmerzlexikon

Schnupfen

Erkältung, Allergie oder chronisch, und was Mundatmung mit dem Kiefer zu tun hat

Schnupfen, medizinisch Rhinitis, ist eine Entzündung der Nasenschleimhaut mit laufender oder verstopfter Nase, Niesreiz, vermehrtem Schleim und oft eingeschränktem Geruchssinn. Meist ist er Teil einer Erkältung und klingt nach sieben bis zehn Tagen von selbst ab (Heikkinen & Järvinen, 2003). Daneben gibt es allergische und chronische Formen. Bei Schnupfen atmest du oft durch den Mund; für ein paar Tage ist das harmlos.

Was bei Schnupfen passiert

Die Nasenschleimhaut schwillt an und produziert mehr Schleim. Damit ist der Weg, über den du normalerweise atmest, eng oder zu. Die Nase wärmt, befeuchtet und filtert die Atemluft. Atmest du durch den Mund, kommt die Luft kalt und trocken im Rachen an; deshalb fühlt sich der Hals bei Schnupfen morgens oft rau an (→ Halsschmerzen).

Formen von Schnupfen

  • Akuter Schnupfen: meist viral im Rahmen einer Erkältung, klingt von selbst ab
  • Allergischer Schnupfen: Reaktion des Immunsystems, zum Beispiel auf Pollen oder Hausstaub (Wheatley & Togias, 2015)
  • Chronischer Schnupfen: durch Dauerreize, Medikamente wie abschwellende Nasensprays bei Dauergebrauch, anatomische Engstellen oder ohne erkennbare Ursache (Hellings et al., 2017)

Schnupfen und Kiefer: Mundatmung und Nasenatmung

In Ruhe liegt die Zunge breit am Gaumen, die Lippen sind locker geschlossen, und du atmest durch die Nase. Bei Mundatmung steht der Mund offen, Zunge und Unterkiefer liegen tiefer. Für ein paar Schnupfentage spielt das keine Rolle.

Anders ist es, wenn die Mundatmung über Monate bleibt, etwa bei dauerhaft verstopfter Nase, Allergie oder vergrößerten Polypen. In einer Übersichtsarbeit hatten Kinder, die durch den Mund atmen, häufiger einen nach hinten unten gedrehten Unterkiefer, eine steilere Kauebene und nach vorn geneigte obere Schneidezähne als Kinder mit Nasenatmung (Zhao et al., 2021). Mehr zu Bissfehlstellungen unter offener Biss und Überbiss. Bei Erwachsenen trocknet Mundatmung Mund und Rachen aus und kann mit Schnarchen zusammenhängen (→ Schnarchen).

Schnupfen-Symptome

  • Laufende, verstopfte oder wechselnd freie Nase
  • Niesreiz, Brennen der Nasenschleimhaut
  • Druckgefühl in Stirn oder Wangen
  • Riechstörung oder Geruchsverlust
  • Mundatmung, besonders nachts
  • Abgeschlagenheit und Konzentrationsmangel

Warum dauert ein Schnupfen manchmal länger?

Häufige Gründe sind ein neuer Infekt, eine Allergie, eine Beteiligung der Nasennebenhöhlen oder Engstellen wie eine verkrümmte Nasenscheidewand. Auch Dauerreize wie trockene Luft oder Rauch spielen eine Rolle. Ein Schnupfen, der nicht abklingt, gehört ärztlich abgeklärt.

Wie wird Schnupfen behandelt?

  • Erkältungsschnupfen: Er klingt von selbst ab. Nasenspülungen mit Salzwasser und Inhalationen pflegen die Schleimhaut; abschwellende Nasensprays nur wenige Tage verwenden.
  • Allergischer Schnupfen: Allergietestung, dann Behandlung nach Befund.
  • Dauerhaft verstopfte Nase oder Mundatmung beim Kind: HNO klärt Polypen, Mandeln und Nasenscheidewand ab; Kieferorthopädie und Logopädie kommen dazu, wenn Biss oder Zungenlage betroffen sind.

Übungen aus der CRANii App zum Thema Nase und Nasenatmung

Bei einem akuten Infekt brauchst du vor allem Ruhe. Die folgenden Videos aus der CRANii App zeigen Übungen für Nase, Stirn und Wangen. Dass sie einen Schnupfen verkürzen, ist nicht untersucht; ob sie für dich passen, hängt von der Ursache deiner Beschwerden ab. Ist deine Nase dauerhaft verstopft oder atmet dein Kind über Wochen durch den Mund, lass das zuerst ärztlich abklären.

Was du bei Schnupfen im Alltag tun kannst

  • Ruheposition prüfen: Lippen zu, Zähne auseinander, Zunge breit am Gaumen, Atem durch die Nase. Schau zwischendurch, ob dein Mund offen steht.
  • Nasenspülung: mit Salzwasser zur Pflege der Schleimhaut.
  • Feuchte Luft: Ausreichend trinken und trockene Raumluft vermeiden.
  • Sanft putzen: Die Nase ein Nasenloch nach dem anderen putzen.
  • Kinder beobachten: Schläft dein Kind mit offenem Mund oder schnarcht es oft, sprich in der Kinderarztpraxis darüber.
  • Frische Luft und Schlaf: Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Schlaf.

Wann ein Schnupfen in die Arztpraxis gehört

Geh zur Ärztin oder zum Arzt, wenn

  • hohes Fieber dazukommt oder die Beschwerden nach zehn Tagen nicht besser werden,
  • starke Schmerzen in Stirn, Wangen oder Zähnen auftreten (→ Sinusitis),
  • der Schnupfen immer wiederkehrt, eine Nasenseite dauerhaft verstopft ist oder blutiger Ausfluss auftritt,
  • ein Baby wegen des Schnupfens schlecht trinkt oder schwer atmet,
  • dein Kind über Wochen durch den Mund atmet.

Such sofort ärztliche Hilfe, wenn die Haut um die Augen anschwillt oder sich rötet oder du schlechter siehst. Bei starken Kopfschmerzen mit steifem Nacken wähle den Notruf 144.

Häufige Fragen zu Schnupfen

Wie lange dauert ein normaler Schnupfen?

Ein Erkältungsschnupfen klingt meist innerhalb von sieben bis zehn Tagen ab. Dauert er deutlich länger oder kommen Fieber und starke Gesichtsschmerzen dazu, lass ihn ärztlich abklären.

Was ist der Unterschied zwischen Schnupfen und Sinusitis?

Beim Schnupfen ist die Nasenschleimhaut betroffen, bei einer Sinusitis zusätzlich die Nasennebenhöhlen. Typisch für eine Sinusitis sind Druck und Schmerz in Stirn oder Wangen, mehr dazu unter Sinusitis.

Was hat Mundatmung mit dem Kiefer zu tun?

Bei Mundatmung liegen Zunge und Unterkiefer tiefer. Hält das bei Kindern über Monate an, kann es das Wachstum von Kiefer und Gesicht beeinflussen. Wenn dein Kind dauerhaft durch den Mund atmet, lass Nase und Biss ansehen.

Quellen

  1. Hellings PW et al. (2017): Non-allergic rhinitis: Position paper of the European Academy of Allergy and Clinical Immunology. Allergy. PMID 28474799. PubMed

  2. Heikkinen T & Järvinen A (2003): The common cold. Lancet. PMID 12517470. PubMed

  3. Wheatley LM & Togias A (2015): Clinical practice. Allergic rhinitis. N Engl J Med. PMID 25629743. PubMed

  4. Zhao Z et al. (2021): Effects of mouth breathing on facial skeletal development in children: a systematic review and meta-analysis. BMC Oral Health. PMID 33691678.