Junge Frau drückt die Hand seitlich an Nase und Wange

Schmerzlexikon

Nasennebenhöhlen­entzündung (Sinusitis)

Symptome, Ursachen und was Zähne und Kiefer damit zu tun haben

Eine Sinusitis ist eine Entzündung der Nasennebenhöhlen. Meist löst ein Virusinfekt die Nasennebenhöhlenentzündung aus, seltener Bakterien; auch Allergien können eine Rolle spielen. Typisch sind Druck und Schmerzen in Stirn oder Wangen, eine verstopfte Nase, Schleim und ein eingeschränkter Geruchssinn. Eine akute Sinusitis klingt meist innerhalb weniger Wochen ab; dauern die Beschwerden länger als zwölf Wochen, spricht man von einer chronischen Sinusitis (Fokkens et al., 2020).

Was bei einer Sinusitis passiert

Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Räume im Schädelknochen:

  • Stirnhöhle (Sinus frontalis): über der Augenbraue
  • Kieferhöhle (Sinus maxillaris): im Wangenbereich, direkt über den Wurzeln der oberen Backenzähne
  • Siebbeinzellen (Sinus ethmoidalis): zwischen Nase und Auge
  • Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis): tief im Schädel hinter der Nase

Alle Nebenhöhlen sind über kleine Öffnungen mit der Nase verbunden und mit Schleimhaut ausgekleidet. Schwillt die Schleimhaut an, kann sich Sekret stauen, und es entsteht das typische Druckgefühl. Ein einfacher Schnupfen betrifft dagegen nur die Nase (→ Schnupfen).

Sinusitis und Kiefer: Kiefer­schmerzen bei Nasennebenhöhlen­entzündung

Die Kieferhöhle liegt direkt über den oberen Backenzähnen; ihre Wurzeln reichen manchmal bis an den Boden der Kieferhöhle. Deshalb tun bei einer Kieferhöhlenentzündung oft die oberen Zähne oder der ganze Oberkiefer weh, besonders beim Bücken oder Auftreten. Umgekehrt kann eine entzündete Zahnwurzel im Oberkiefer eine Sinusitis auslösen. Dann gehört die Zahnmedizin mit ins Team (→ Zahnschmerzen).

Auch Kaumuskeln können Schmerzen in die Wange ausstrahlen, etwa der Masseter (der kräftige Kaumuskel an der Wange). In einer Untersuchung an Menschen mit CMD war die Wange der häufigste Ort solcher ausstrahlenden Schmerzen (Wright, 2000). Hast du immer wieder Druck in der Wange, aber keine verstopfte Nase und keinen Schleim, sprich bei der Abklärung auch Kiefer und Kaumuskeln an.

Sinusitis-Symptome

  • Druckgefühl in Stirn, Nase, Wange oder hinter dem Auge
  • Kopf- oder Gesichtsschmerzen, vor allem beim Bücken
  • Verstopfte oder laufende Nase
  • Verlust von Geruch oder Geschmack
  • Zahnschmerzen im Oberkiefer, wenn die Kieferhöhle betroffen ist
  • Müdigkeit, Konzentrationsstörungen
  • Husten oder Kloßgefühl im Rachen

Ursachen einer Sinusitis

Häufigster Auslöser ist ein Virusinfekt. Allergien, Asthma, Nasenpolypen, eine verkrümmte Nasenscheidewand oder entzündete Zahnwurzeln im Oberkiefer können eine Sinusitis begünstigen (Fokkens et al., 2020).

Wie wird eine Sinusitis behandelt?

  • Hausärztin oder HNO: stellt die Diagnose und entscheidet über die Behandlung. Bei der akuten Sinusitis stehen Schmerzmittel, Nasenspülungen mit Salzwasser und kortisonhaltige Nasensprays im Vordergrund; Antibiotika sind nur bei bestimmten Verläufen nötig (Rosenfeld et al., 2015).
  • Zahnmedizin: wenn eine Zahnwurzel im Oberkiefer die Ursache sein könnte oder Kiefer und Kaumuskeln mitschmerzen.
  • Physiotherapie: wenn die Beschwerden eher aus verspannten Kau- und Gesichtsmuskeln kommen.

Was du bei Sinusitis im Alltag tun kannst

  • Nasenspülung: mit Salzwasser zur Pflege der Schleimhaut.
  • Trinken: Ausreichend trinken, damit die Schleimhäute feucht bleiben.
  • Schonen: Bei einem Infekt Ruhe und ausreichend Schlaf.
  • Durch die Nase atmen: sobald es wieder geht; Mundatmung trocknet die Schleimhaut aus.
  • Rauch meiden: auch Passivrauch.

Wann eine Sinusitis ärztlich behandelt werden sollte

Geh zur Ärztin oder zum Arzt, wenn

  • die Beschwerden länger als zehn Tage anhalten oder nach einer Besserung wieder schlechter werden,
  • hohes Fieber oder starke, einseitige Gesichtsschmerzen auftreten,
  • die Beschwerden häufiger als dreimal im Jahr wiederkehren oder länger als zwölf Wochen dauern.

Such sofort ärztliche Hilfe, wenn die Haut um die Augen anschwillt oder sich rötet, du Doppelbilder siehst oder schlechter siehst. Bei starken Kopfschmerzen, steifem Nacken oder Verwirrtheit wähle den Notruf 144.

Schmerzen an den Zähnen des Oberkiefers können auch von einem Zahn ausgehen. Dann ist eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll.

Häufige Fragen zur Sinusitis

Braucht man bei Sinusitis Antibiotika?

Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Da die meisten Fälle durch Viren ausgelöst werden, sind Antibiotika nur bei bestimmten Verläufen nötig.

Kann eine Sinusitis Kieferschmerzen machen?

Ja. Die Kieferhöhle liegt direkt über den oberen Backenzähnen; bei einer Entzündung schmerzen oft Zähne und Oberkiefer mit. Umgekehrt kann ein verspannter Kaumuskel Schmerzen in die Wange schicken, die sich wie Nebenhöhlendruck anfühlen.

Hilft eine Gesichtsmassage bei Sinusitis?

Dass eine Gesichtsmassage eine Nasennebenhöhlenentzündung lindert oder verkürzt, ist nicht untersucht. Sie ersetzt keine Behandlung. Manche empfinden eine sanfte Massage im Gesicht als angenehm. Bei Fieber, starken einseitigen Schmerzen oder Schwellungen im Gesicht massierst du nicht, sondern gehst zur Ärztin oder zum Arzt.

Quellen

  1. Fokkens WJ et al. (2020): European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020. Rhinology. PMID 32077450. PubMed

  2. DeConde AS & Soler ZM (2016): Chronic rhinosinusitis: Epidemiology and burden of disease. Am J Rhinol Allergy. PMID 26980394. PubMed

  3. Rosenfeld RM et al. (2015): Clinical practice guideline (update): adult sinusitis. Otolaryngol Head Neck Surg. PMID 25832968. PubMed

  4. Wright EF (2000): Referred craniofacial pain patterns in patients with temporomandibular disorder. J Am Dent Assoc. PMID 10986831.